Verkündigung - Gottesdienst - Dienst am Menschen - Gemeinschaft

Martyria - Leiturgia - Diakonia - Communio

bezeichnen die die Grundpfeiler, die Hauptaufträge, die den Sinn und Zweck der Kirche als institutionelle Organisation der Gemeinde der christlichen Gläubigen begründen und legitimieren; sie sind damit Wesensmerkmale der Kirche.

Die katholische Tradition beschreibt drei Grundvollzüge:

  1. Zeugnis (martyria): Zeugnis, Verkündung und Verbreitung des Evangeliums
  2. Liturgie (griechisch leiturgia): Gottesdienst, gemeinsames Gebet, insbesondere Feier der Eucharistie
  3. Diakonie (diakonia): Dienst an den Menschen, zum Beispiel die Linderung von Not und Armut in der Welt

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil wird eine vierte Grunddimension der Kirche beschrieben: die Gemeinschaft (communio / koinonia), in der die christliche Gemeinde ebenfalls ihren Ausdruck findet.

Grundvollzüge der Kirche (allgemein)

  • "... bereit, jedem Rede & Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt" (Martyria)

    „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“ (1 Petr 3,15b)

    Unter Martyria versteht man die Verkündigung und das Bekenntnis der Frohbotschaft Jesu. Martyria heißt übersetzt Zeugnis geben. An verschiedenen Stellen der Bibel werden die Gläubigen aufgefordert, Zeugnis zu geben und andere für Jesus Christus und das Evangelium vom Reich Gottes zu begeistern. So werden die Gläubigen im Ersten Petrusbrief aufgefordert: „Seit stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“ (1 Petr 3,15b). Auch im so genannten „Missionsbefehl“ im Matthäus-Evangelium fordert der auferstandene Jesus die Jünger auf: „Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“ (Mt 28, 19f). Nachfolge Jesu bedeutet also immer auch konsequentes Zeugnis und Eintreten für die "Sache Jesu", die das Reich Gottes ist. Der Auftrag zur Verkündigung, der sich aus dem Bekenntnis zu Jesus Christus ergibt, kann in vielfältiger Weise geschehen:

    1. in der Weitergabe des Glaubens (Erziehung, Religionsunterricht;
    2. in der Predigt im Gottesdienst, aber auch in den Medien (Rundfunk, Fernsehen);
    3. in der Vorbereitung auf die Feier der Sakramente (Taufe, Erstkommunion, Firmung);
    4. in der Bibelarbeit, der Erwachsenenbildung;
    5. aber auch im Alltag, wenn etwa aktuelle gesellschaftspolitische Themen diskutiert werden;
    6. von Seiten der „offiziellen“ Vertreter der Kirche, also Papst, Bischöfen, Priester in Hirtenschreiben, päpstlichen Lehrschreiben (Enzykliken), öffentlichen Stellungnahmen zu Fragen der Gesellschaft).
  • "Tut dies zu meinem Gedächtnis" (Leiturgia)

    Unter Liturgia versteht man die Feier des Gedächtnisses von Leben, Sterben und Auferstehung Jesu Christi. In der Eucharistiefeier, dem Höhepunkt der Liturgie, wird diese Gedächtnisfeier gar zur erfahrbaren Wirklichkeit, wenn Brot und Wein in der Wandlung zu Leib und Blut Christi werden.

    Liturgie, die Feier des Gottesdienstes, war für die ersten Christen zunächst das gemeinsame Mahl. Diese Tischgemeinschaft war Erinnerung an Jesu Tischgemeinschaften und an die Feier des letzten Abendmahles (vgl. dazu Mk 14, 17-25 par; Apg 2,43-47).

    Neben der „Hochform“ der Eucharistie gibt es allerdings im Christentum noch viele anderen Formen der Liturgie: das persönliche und gemeinschaftliche Gebet, Andachten, Wortgottesdienste, Meditationen, Wallfahrten usw. Liturgie bedeutet auch die Feier der Sakramente. Sakramente werden dabei als „sichtbare und erfahrbare wirksame Zeichen der heilenden Nähe Gottes“ verstanden. Die katholische Kirche kennt neben der Kirche, die zuweilen auch als „Grundsakrament“ bezeichnet wird, sieben Sakramente: Taufe, Eucharistie, Firmung, Ehe, Priesterweihe, Buße und die Krankensalbung. Die Sakramente werden an die „Knotenpunkten“ des Lebens gespendet.

  • „... das habt ihr mir getan.“ (Diakonie)

    „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40b)

    Ein weiterer Grundvollzug der Kirche oder kirchlichen Handelns ist die Diakonia, der Dienst am Notleidenden, am Nächsten, oftmals auch als "Geschwisterdienst" bezeichnet. Für Jesus ist dieser Dienst am Nächsten unmittelbar mit dem Bekenntnis zu ihm selbst, gar mit seiner Person verbunden. „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40b).  

    Immer wieder wird im Neuen Testament auf die konkreten Anforderungen der Diakonie hingewiesen. Im Matthäus-Evangelium wird an der Stelle, wo Jesus vom „Weltgericht“ spricht, gar der Dienst am Nächsten zum Auswahlkriterium dafür, wer von Gott gesegnet sein wird und gerettet werden wird: Hungernden zu essen geben, Dürstenden zu trinken geben, Obdachlose aufnehmen, Kranke und Gefangene besuchen, Nackte bekleiden sind die Forderungen an die Menschen (vgl. Mt 25, 41-46). Dienst am Nächsten wird so geradezu zum Erkennungszeichen für Christen.

  • "wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind ..." (Communio)

    "wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen" (Mt 18.20).

    Die Sendung und Aufgabe der Kirche wird erst dann ich rechter Weise verwirklicht, wenn die an Jesus Christus Glaubenden (also die Christen) dies in Gemeinschaft tun und auf Gemeinschaft hin entwickeln. Der „geschwisterliche“ Umgang der Menschen betrifft alle Grunddienste der Kirche. In der theologischen Fachsprache wird dieser Gemeinschaftsauftrag „Koinonia“ genannt. Diese Koinonia oder Communio wird etwa auch dadurch deutlich, dass die Kirche nicht nur Kirche der Amtsträger ist, sondern alle an der Communio Anteil haben sollen (also Klerier und Laien). So sind seit dem II. Vatikanischen Konzil auch wieder vermehrt demokratische Strukturen und Gremien, also sogenannte "synodale Elemente" in der Kirchenstruktur wiederbelebt worden, z. B. Kirchengemeinderäte, Dekanatsräte, Diözesanräte oder etwa das Zentralkomittee der Deutschen Katholiken (ZdK), das sich als Verband der Laien in der katholischen Kirche versteht und immer wieder zukunftsweisende Impulse für die kirchliche Entwicklung (z. B. in Fragen der Ökumene) einbringt.